Neuer Verwaltungsratspräsident der JMS-Gruppe

Dr. Michael Weber wurde Ende Juni zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der JMS-Gruppe gewählt. Im Interview hat er uns mehr zu sich als Person, seinen Zielen für die JMS-Gruppe sowie über seine ersten Wochen als Verwaltungsratspräsident erzählt.

An der Generalversammlung Ende Juni hat Beat Jud seinen Rücktritt als Präsident des Verwaltungsrats bekannt gegeben. Wir danken Beat Jud für seinen jahrzehntelangen wertvollen Einsatz für die gesamte JMS-Gruppe und freuen uns ausserordentlich, dass er unserer Unternehmensgruppe als Verwaltungsratsmitglied der Josal Holding AG weiterhin erhalten bleibt.

Als Nachfolger konnten wir Dr. Michael Weber gewinnen. Er begleitet die JMS-Gruppe bereits seit knapp zwei Jahrzehnten.

Im Interview hat er uns mehr zu sich als Person, seinen Zielen für die JMS-Gruppe sowie über seine ersten Wochen als Verwaltungsratspräsident erzählt.

Dr. Weber, Ende Juni wurden Sie zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Wie war Ihr Start?
Der Start war sehr gut. Da ich ja nicht ganz neu bin in der JMS-Gruppe, war für mich vieles bereits bekannt. Natürlich, meine Rolle hat sich geändert. Das ist für alle eine neue Situation, insbesondere für die Aktionärsfamilien. Ich habe mich aber sehr willkommen und angenommen gefühlt.

Sie begleiten die JMS-Gruppe schon seit längerem, sei es als Verwaltungsrat oder auch als Berater. Wann ist Ihnen die JMS-Gruppe zum ersten Mal aufgefallen?
Das erste Mal aufgefallen ist mir die JMS-Gruppe 1986 als ich vor meinem Studium bei der Firma Landolt Transport AG als Hilfsarbeiter gearbeitet habe. So richtig in Kontakt gekommen bin ich mit der JMS-Gruppe dann 2003, als ich Armin Landolt beim Verkauf seiner Firma unterstützen durfte. Schnell sind wir mit Beat und Ueli Jud in Kontakt gekommen. Schlussendlich konnte die Firma Landolt erfolgreich in die JMS-Gruppe integriert werden. Seit damals habe ich viel mit der JMS zu tun.

Wie hat sich Ihre Sicht auf die JMS-Gruppe seit damals verändert? Gab es allenfalls auch etwas, was Sie überrascht hat?
Je länger ich die JMS-Gruppe kenne, desto mehr merke ich, wie stark die Familienkultur in dieser Firmengruppe ist. Die Familie Jud prägt die Gruppe seit nunmehr vier Generationen. Das erachte ich im heutigen wirtschaftlichen Umfeld als eine grosse Stärke, die es immer wieder zu betonen und aktiv zu leben gilt.

Es überrascht mich immer wieder, wie bei der sehr breit aufgestellten JMS-Gruppe alles ineinander spielt und wie komplex die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Teilen sind. Wenn etwas verändert wird, hat das immer Wirkungen an vielen Orten. Diese müssen – wenn möglich – im Voraus durchdacht werden. Das kann natürlich nicht immer gelingen. Dann ist es wichtig, schnell zu lernen und im positiven Sinne zu korrigieren.

Was hat sich für Sie mit der Übernahme dieses wichtigen Mandats geändert und was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Mich reizt diese Aufgabe, weil ich gemeinsam mit dem gesamten Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung einen Beitrag leisten kann, dass die JMS-Gruppe auch langfristig erfolgreich arbeiten kann. Mir gefällt diese Aufgabe, weil ich hier gemeinsam mit anderen Menschen auf ein Ziel hinarbeiten kann und weil ich gerne aktiv mitsteuere. Mit der Übernahme des Mandats als Verwaltungsratspräsident hat sich für mich insofern etwas geändert, als ich sicherstellen musste, dass ich für die Tätigkeit auch genügend Kapazität zur Verfügung habe. Ausserdem werde ich noch mehr als bisher gefordert sein, mich mit den längerfristigen Entwicklungen der Bau- und Transport-Branche auseinanderzusetzen.

Wieviel arbeitet man eigentlich als Verwaltungsratspräsident? Und welche Aufgaben/Arbeiten gehören dazu?
Es gibt keine allgemeine Regel, wieviel man als Verwaltungsratspräsident arbeitet. Es kommt in jeder einzelnen Firma darauf an, wie die Rolle definiert wird und wie die Schnittstellen zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung festgelegt werden. Der Verwaltungsratspräsident muss einerseits sicherstellen, dass der Verwaltungsrat funktionieren kann, beispielweise indem er seine gesetzlichen vorgeschriebenen Aufgaben wahrnimmt. Andererseits sind auch die Beziehungen zur Geschäftsleitung gut zu gestalten. Wenn neue Chancen erschlossen werden sollen und/oder wenn es grössere Probleme gibt, ist der Verwaltungsratspräsident besonders gefordert. Ausserdem übernimmt der er auch gewisse repräsentative Aufgaben gegen aussen.

Der Arbeitsanfall schwankt während dem Jahr immer wieder. Bei der JMS-Gruppe ist der Aufwand für das Amt des Verwaltungsratspräsidenten nicht zu vernachlässigen. Ich kann das nicht einfach nebenher machen, sondern habe mir dafür auch die entsprechende Zeit freigehalten.

Was muss ein Verwaltungsratspräsident Ihrer Meinung nach mitbringen, um erfolgreich zu sein?
Auch hierfür gibt es keine allgemeingültige Antwort. Sicher dazu gehören das Bewusstsein über die Verantwortung eines Verwaltungsrats, die Bereitschaft, im Team zu spielen, viel Erfahrung in unternehmerischen Fragestellungen, eine langfristig-strategische Denkweise, Erfahrung im Umgang mit Konflikten sowie auch Branchenkenntnisse. Der Verwaltungsratspräsident hat immer auch eine Leitungsfunktion. Dabei muss er dem Gremium einen Rahmen geben und sicherstellen, dass sich die anderen Mitglieder einbringen können und dass die notwendigen Entscheide rechtzeitig getroffen werden. Manchmal hat das auch etwas mit Moderation und Diplomatie zu tun.

Was ist Ihre Vision? Wird sich für die Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre unter Ihrer Führung etwas ändern?
Meine Vision deckt sich mit jener, die im Rahmen des Strategieprozesses 2020 gemeinsam mit der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat erarbeitet worden ist. Sie sagt aus, dass die JMS-Gruppe eine unabhängige und langfristig ausgerichtete Familienunternehmung bleiben soll. Sie nimmt im Markt eine starke Stellung ein und bietet ihre Leistungen mit einem hohen Mass an wirtschaftlicher, sozialer und umweltbewusster Qualität an.

Für die Kunden und die Mitarbeitenden wird sich aus meiner Sicht nichts ändern. Hier gilt es die erfolgreiche Tätigkeit meines Vorgängers, Beat Jud, möglichst gut weiterzuführen. Für die Aktionäre ändert sich insofern etwas, als der Verwaltungsratspräsident nun nicht mehr selber Aktionär ist.

Was bringt die Zukunft für die JMS-Gruppe?
Leider habe auch ich keine Kristallkugel, aus der ich die Zukunft lesen kann! Was ich sicher sagen kann, ist, dass die JMS-Gruppe für die Zukunft sehr solide und gut aufgestellt ist. Die umsichtige und seriöse Geschäftsführung der vergangenen Jahrzehnte hat hierfür die Weichen gestellt. Natürlich gibt es aber Herausforderungen, die künftig bewältigt werden müssen. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen werden nicht spurlos an der JMS-Gruppe vorbei gehen. Zudem hat die Ungewissheit über die bevorstehenden Veränderungen zugenommen. Wir wissen immer weniger, was konkret auf uns zu kommt. Wichtig ist, dass wir die JMS-Gruppe so aufstellen, dass sie auch künftig nicht aus der Balance gerät, wenn unerwartete Ereignisse eintreten. Zudem müssen wir sicherstellen, dass wir Chancen, die sich abzeichnen, geschickt erschliessen.

Was tun Sie, wenn Sie mal nicht am Arbeiten sind? Wie laden Sie Ihre Batterien wieder auf?
Ich fotografiere leidenschaftlich gerne, am liebsten Menschen, das Stadtleben und Landschaften. Ein- bis zweimal pro Jahr darf ich auch mit meinem Freund Daniel Landolt auf eine Oldtimer-Rally. Das ist immer sehr entspannend und abwechslungsreich. Ansonsten lese ich sehr viel, von Fachbüchern bis Romane und Krimis.

Steckbrief Michael Weber: 
Dr. sc. techn. ETH, dipl. Ing. ETH, lic. oec. HSG
Jahrgang 1966

Michael Weber hat langjährige Erfahrung in der Unternehmensberatung und in der Beratung der öffentlichen Hand. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung der Firma SUISAG in Sempach. Zudem kann er auf eine lange Erfahrung als aktiver Verwaltungs- und Stiftungsrat zurückblicken. Im Rahmen seiner Tätigkeiten setzt er sich in erster Linie mit strategischen und organisatorischen Fragestellungen auseinander. Dazu gehören insbesondere Führungsfragen, Change-Themen, Nachfolgeregelungen sowie die Begleitung von Firmenkäufen und -verkäufen. An der ETH Zürich befasste sich Michael Weber als Oberassistent jahrelang u.a. mit der Entwicklung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Er ist bis heute Dozent für Management an der ETH Zürich.